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0.     Inhalt Inhalt
 
10.     Umwelt, Verkehr und Wirtschaft
10.4.     Tourismus


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Wie eine Krake zieht er alles in seinen Bann. Kreta ist auf dem Wege ein Solarstudio für Mittel 15.13.   Europa Europa zu werden. Wer nicht im Tourismus investiert, kann schnell unter die Räder kommen. Für Kreta gibt es keine Geldquelle die so nachhaltig sprudelt. Seit der Touristeninvasion steht die Insel im Umbruch. Eine Gratwanderung zwischen Tradition und ''Fortschritt'' findet statt. Die sich immer schneller in letzterer Richtung bewegt. Ökonomische Abhängigkeiten vom Tourismus, extensive Landflucht und Auswanderung, neue Prestige und Statussymbole, EU Mitgliedschaft, und die Konfrontation mit westeuropäischen Sitten haben zu gravierenden Umwälzungen geführt.
 
Jeder Kreter träumt vom eigenen Laden oder einer Taverne, um möglichst schnell ein gemachter Mann zu sein. Allerorten baut man Häuser aus, stockt auf, baut an ''Rooms for rent'' Schilder überall, Pensionen, ''Travel Agencies'', Surfbrettverleih, Rent a Car Unternehmen und Souvenirshops schießen wie die Pilze aus dem Boden. Küstenstriche und Badeorte an der Nordküste werden hemmungslos zugebaut. Im Dorfkafeníon findet man mehr Fremde als Einheimische, Gastfreundschaft ist oft zu blankem Geschäftsinteresse verkommen. Vor allem die zahlreichen früheren Gastarbeiter versuchen sich eine Existenz im Tourismusgewerbe aufzubauen. Jahrelang haben sie in Mannheim, Duisburg oder Stuttgart gelebt, sprechen gut deutsch und kennen die Ansprüche der Fremden.
 
Für viele Frauen ist der Verkauf ihrer Websachen an Touristen die einzige Einkommensquelle. Junge Leute verlassen in Scharen die ärmlichen Bergdörfer und verdingen sich als Kellner oder Zimmermädchen. Die Insel ist auf dem Wege ein international bedeutender Stützpunkt der Tourismusindustrie zu werden. Die Folgen liegen auf der Hand. Vor allem die Küsten sind mittlerweile völlig abhängig vom Tourismus. Auffällig ist das Gefälle des Lebensstandards zwischen Küste und dem Landesinneren. Während das Leben am Meer vom ständigen Devisenstrom geprägt ist, herrscht schon wenige Kilometer landeinwärts Armut. Die Dörfer entvölkern sich und die wenigen Alten ernähren sich mühsam von kargen Feldern, Oliven und Schafen.
 
Der Tourismus hat dem kretischen Wirtschaftsleben einen starken Aufschwung gegeben. Die Bettenkapazität in Stadt und Strandhotels hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Es gibt zahllose Familienpensionen und Privatzimmer, vor allem in den Badeorten der Nord und Südküste. Drei bis fünf Personen pro Urlaubsbett leben mehr oder weniger vom Tourismus und seinen Folgegeschäften. Allerdings ca. Zweidrittel dessen, was mit dem Tourismus verdient wird bleibt im Ausland hängen. Das eine Konzentration der Wirtschaftspolitik auf Tourismus auch unkalkulierbare Risiken birgt, zeigten die Auswirkungen des Golfkrieges im Frühjahr 1991. Wie ein Seismograph reagiert der Tourismus auf politische Unruhen. So erwartete der griechische Fremdenverkehrsverband EOT in diesem Jahr für Kreta 20 % mehr Touristen als im Vorjahr, es kamen aber 50% weniger. Während des Falklandkrieges 1982 blieben fast sämtliche britischen Touristen zuhause, das war immerhin ein Drittel aller Urlauber; während der Zypernkrise 1974 erlitt das Land ebenfalls große Einbußen.
 
Jahrhundertealte Traditionen sterben innerhalb weniger Jahre aus, verkommen zu bloßer Folklore für neugierige Urlauber auf der Suche nach ''Ursprünglichkeit''. Wenn der Tourismus einmal irgendwo Einzug gehalten hat, dann versuchen die Einheimischen meist mit aller Kraft, den Ort für die Fremden attraktiv zu machen. Tourismus bedeutet Geld und Wohlstand für den hohen Preis des sozialen Unfriedens. Konkurrenzdenken greift um sich - wo früher Solidarität im Dorf unbedingtes Muss war, grüßt man sich heute manchmal nicht mehr. Die Kreter werden mit Sitten und Verhaltensmustern konfrontiert, die von den ihren Lichtjahre entfernt sind. Nacktbaden, offenherzige Flirts, das Nichtbeachten religiöser Tabus und ähnliche Verhaltensweisen ''aufgeklärter'' Ausländer wirken wie Zündstoff.



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