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Die zunehmende Entwaldung der Insel zur Deckung des enormen Bedarfs an Bau- und Brennholz beschäftigte schon die Alten. Theophrast spricht von ausgedehnten Wäldern auf Kreta, mit Zypressen, Eichen, Platanen, Pinien und Ahornbäumen. Vom einstigen Waldreichtum zeugte auch der reiche Tierbestand: Rehe, Hirsche, Wildschweine, Füchse, Wölfe, Wildziegen und Steinböcke. Von weitem gesehen, erscheint die Insel fast völlig kahl. Dieser Eindruck ändert sich, wenn man ins Innere vordringt und gerade im Westen sieht, dass es noch einige kleinere Waldgebiete gibt. Die Waldgrenze liegt bei 1.650 - 1.700 m, oberhalb derer sich hauptsächlich niedrige Dornpolster verschiedener Arten von Tragant (Astragalus) und Ginster, vor allem Stechginster (Genísta acanthoclada) finden. Abgebrannter Buschwald regeneriert sich auf natürliche Weise durch Austrieb der unversehrten Wurzelstöcke.
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Aufforstungsversuche haben erste Erfolge gezeigt. Anfang der 80er wurden mit Hilfe des bayerischen Landwirtschaftsministeriums und der deutschen Bundeswehr Aleppokiefern samt Forstmeister eingeflogen. An der Straße nach Elafónissi beim Örtchen Vlátos gedeiht der Friedenswald mit Erdbeerbäumen und Kiefern. Durch Überweidung mit Schafen und Ziegen sind riesige Flächen zu wertlosen verkarsteten Felstriften degradiert worden. Gerade diese Flächen sind es, die den Pflanzenfreund im Frühjahr begeistern. Unbehelligt durch die Konkurrenz von Bäumen und Sträuchern können sich in erdgefüllten Spalten der Kalkfelsen lichtliebende Frühlingsblüher ansiedeln (Erdorchideen, Lilienblütige, Affodill, Hyazinthen und Narzissen).
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Holz hieß im Altertum ''Xylon'' und hoch war der Verbrauch an Bau- und Brennholz zur Herstellung von Holzkohle, Teer und Harzgewinnung, für die Zwecke des Handwerks, des Bergbaus und vor allem des Schiffsbaus sowie zu Kriegszwecken, Befestigungen und Brückenbauten. Der auf Kreta am meisten verbreitete Baum ist die Aleppokiefer (Pinus halepensis). Dieser windabhaltende, schattenspendende Baum wird häufig an den Ausgrabungen minoischer Stätten angepflanzt. Die Harzgewinnung durch Ausschneiden der Aleppokieferrinde ist uralt. Sein Harz wird in Griechenland seit altersher zum Haltbarmachen von Wein verwendet, obwohl die Rezinaweine heute immer mehr von ungeharzten Weinen verdrängt werden. Mehr als 3.000 Tonnen Kiefernharz werden jährlich dem Landwein als Konservierungsmittel zugesetzt. Die Aleppokiefer war der Lieblingsbaum der Zeusmutter Rhea.
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Unter den Kleinststräuchern hat durch die starke Beweidung eine Negativauslese stattgefunden: auf Dauer kann nur der überleben, der nicht ständig abgefressen wird; sparrige, derbblättrige und dornige Sträucher wie die Igelwolfsmilch (Euphorbia acanthothamnos), der kopfige Thymian (Corydothymus capitatus), dessen Blüten die Hänge im Sommer lila färben, die Dornenbibernelle (Sarcopoterium spino-sum), die dornige Königskerze (Verbascum spinosum) und die Dornflockenblume (Centaurea spinosa). Weißfilzige und stark aromatische Lippenblütler, wie der dreiblättrige Salbei (Salvia triloba) und die Schwarznessel (Ballota pseudodictamnus) runden das Bild ab. Diese Kleinststrauchflur auch Phrygana oder Garrigue bezeichnet, besteht überwiegend aus trivialen, auch im übrigen Mittelmeergebiet weitverbrei-teten Pflanzen.
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Kretas Phrygana ist zwar eine Augenweide und birgt die interressanteste Flora Süd Griechenlands und der Ägäis, erweist sich aber bei näherem Hinsehen als eine recht dornige Angelegenheit. Diesen stachligen Kissenbewuchs hat die Natur aus der Not geboren, um weiter bestehen zu können. Da, wo Mensch und Tier so unersättlich ihr Gleichgewicht zerstört haben, setzt sie sich nun mit Dornen und Gift zur Wehr. Pflanzen, um die sogar die Allesfresser- Ziegen einen Bogen machen, nehmen die schutzlosen Blumen und Kräuter in ihre Mitte. So schützen die toxischen Wolfsmilchgewächse und die picksenden Büsche wie Stechginster, Dornbibernelle, Tragantarten, Stechwinden und Mäusedorn die zarten Zistrosen, Knabenkräuter, Liliengewächse und seltene Orchideenarten. Ein weiterer waldfeindlicher Standort sind die trockenen Sandküsten im Süden östlich von Ierápetra, mit ihrer afrikanischen Wüstesteppenvegetation: Espartogras (Lygeum spartum), Federgras (Stipa capensis) und haariger Reiherschnabel (Erodium Hirtum) wachsen hier.
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Vor allem in Westkreta findet man häufiger Zypessen (Cupressus sempervirens var. horizontalis), oft mit Ahornbäumen zusammen. Das Massiv der Weißen Berge ist von einem regelrechten Zypressengürtel umgeben, dessen höchste Exemplare mit über 20 m in der Samaria Schlucht zu finden sind. An Nadelbäumen findet man in den höheren Regionen noch einige Exemplare der Libanonzeder (Cedrus libani), ferner die Tanne (Abies cilicia) sowie baumartige Wacholderarten. Esskastanien (Castanea sativa) sind seltener geworden, da sie besonders wärme- und feuchtigkeitsliebend sind. Man findet sie vor allem im Selino Bezirk im Westen der Insel. Dem allmächtigen Zeus war der stärkste Baum geweiht, die Eiche. Unter den Eichen ist die immergrüne Kermeseiche (Quercus coccifera) besonders häufig. Aus den Weibchen der Kermesschildlaus, die auf den Eichenblättern leben, stellte man im Altertum einen karmesinroten Farbstoff her. Seltener ist die Steineiche (Quercus ilex).
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Dafür finden sich auf Kreta noch die ostmediterranen Arten Quercus calliprinos (feuchtere Nordlagen der sfakiotischen Berge) und die durch ihre großen Eichelbecher mit langen, flaumartigen, breitlanzettlichen Schuppen auffallende Quercus aegilops, die sog. Arkadische oder Valoneneiche. An Bachbetten oder Schluchtsohlen wachsen häufig uralte, mächtige Platanen (Platanus orientalis). Im Schatten der heute immergrünen Platane von Gortys haben der Legende nach Zeus und Europa Hochzeit gefeiert. Die Platane kündet dem durstigen Wanderer aus der Ferne die Quelle und den kühlen Schatten an. Kein Wunder, dass die Alten die Platane als ein Geschenk der Götter ansahen. Der Ahorn stand in der Macht des Phóbos, des Dämons des Entsetzens und Begleiters des Kriegsgottes Ares. Der Granatapfel (Punica granatum) mit seinen fleischigen Kernen galt immer als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens. Die Frucht ist außerdem der Aphrodite und der Athene geweiht. Die Eibe (Taxis baccata) war den Erinyen, den Rachegöttinen geweiht, die menschlichen Frevel mit dem Gift dieses Baumes bestraften. Die alkaloidhaltigen Nadeln des Baumes sind für Mensch und Tier außerordentlich giftig. 5oo gr seiner Blätter sind tödlich für ein Pferd. An einigen Stellen der Küstenniederungen kommen Dattelpalmen vor, wobei es sich um Phönix theophrasti Greuter, eine auf Kreta endemische Art handelt. Am bekanntesten ist der Palmenwald von Vai an der Nordostküste. Der Ostteil der Insel wird vom Johannisbrotbaum (Keratonia siliqua) beherrscht, einem dunklen, immergrünen Baum mit lederartigen Blättern.
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Der dritte, wegen seines Reichtums an seltenen Reliktpflanzen besonders interessante Standortkomplex sind die Felswände der zahlreichen tiefen Schluchten, mit ihrem während des heißen Sommers schattigen und luftigfeuchten Lokalklima. Hier vor allem sind die Pflanzen vor der Konkurrenz des Waldes und der Weidetiere sicher. Das Kreta schon sehr lange vom Festland isoliert ist, dafür zeugen viele besonders altertümliche ''Endemiten''. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Korbblütlerstrauch (Staehelina arborea),der mit seinen dunkelglänzenden, immergrünen Lederblättern eher an Lorbeer erinnert. Weitere Gattungen sind die Nelke (Dianthus), Ebenus, Veilchen (Viola), Johanniskraut (Hypericum), Flockenblume (Centaurea). Ein ganz isolierter uralter Pflanzentyp ohne nähere Verwandte ist die kretische Rutenglockenblume (Petromarula pinnata). Die mediterrane Gebirgsstufe mit den als Igelpolster-Heiden bezeichneten offenen Strauchfluren hat viele dornige Tragantarten (Astragalus angustifolius, A. creticus) und das Bleiwurzgewächs (Acantholimos echinus), das in Kreta seinen westlichsten Vorposten in Europa besitzt.
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